Projekte

1. Entwicklungsprojekt: Die Rohrweberei im nachhaltigen Bau

Verantwortlich: Julia Krueger, Kontakt: info@rohrweberei-aktuell.de

Laufzeit: 08/25-01/26

Das Projekt „Die Rohrweberei im nachhaltigen Bau“ ist ein Entwicklungsprojekt mit ÉFS+ Förderung. Es ist dem Umbau von Arbeits- und Produktionsprozessen in der Rohrweberei Pritzerbe gewidmet ist. Das Projekt orientiert sich am Wandel, den ein nachhaltiges Wirtschaften in Zeiten Klimawandel-bedingter Risiken birgt und ist der Förderung einer nachhaltigen, klimaschonenden Wirtschaftsweise gewidmet bzw. von Qualifikationen, die die Entwicklung umwelt- und sozialverträglicher Produkte und Prozesse fördern.

Die Rohrweberei Pritzerbe im Wechsel der Zeiten
Im Kern des Projektes „Die Rohrweberei im nachhaltigen Bau“ steht die Stärkung der Produktion der Rohrgewebefabrikation: Die Verwendung von Schilfrohr als Baustoff ist in Pritzerbe seit dem Mittelalter bekannt und nachweisbar; es kam seither lokal vor allem zur Verfüllung von Lehmgefachen bei Fachwerkhäusern zum Einsatz. Mit der Industrialisierung erlebt das Rohrweben einen Boom; die rasant wachsenden Städte in Brandenburg sowie Berlin haben einen enormen Bedarf nach Ziegelbauten, in denen Schilfrohrmatten zwischen Holz und Putz als Putzträger zum Einsatz kommen (Gründerzeitbauten). Beide Weltkriege verlängern den Boom, auch bei Instandsetzung von Häusern nach dem Krieg bleibt das Schilfrohr von Bedeutung. Dies ändert sich mit der Entwicklung von Beton in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts; Nachfrage und Produktion brechen ein. In der Folge des Rückgangs der Nachfrage wurde die Rohrweberei Pritzerbe seit den 80er Jahren vor allem als Denkmal für Natur und Handwerk fortentwickelt; sie beherbergt heute ein einzigartiges Museum und dient vorrangig der Bildung; die Verarbeitung von Schilfrohr erfolgte seither nur vereinzelt.

Dornröschen erwacht: Warum es wieder eine Schilfwirtschaft braucht
Heute ist die Situation wieder anders: die Endlichkeit natürlicher Ressourcen, die problematische Entsorgung hochspezialisierter Verbundstoffe, negative Schimmelerfahrung mit vermeintlich ewig haltbaren, wasserdichten Baumaterialien, die Perspektiven von Klimawandel und Nachhaltigkeit befördern ein Umdenken in der Bauwirtschaft. Der Trend geht zum nachhaltigen Bauen, in dem Schilfrohr eine neue Rolle einnehmen kann; der Dornröschenschlaf ist vorbei. In verschiedenen Pilotprojekten soll der Wertstoff Schilf in seinen Variationen als nachwachsender Baustoff wieder besser verfügbar gemacht und als Ganzes und in Teilen verarbeitet werden, neue Nutzungsarten (etwa der Fasern) sind zu erproben.

.. und wie sie gestaltet werden kann.
Nimmt man eine neue Schilfproduktion und -verarbeitung für das nachhaltige Bauen in den Blick, stellen sich jedoch sogleich viele Fragen, etwa nach Material (SchilfrohrMiscanthus), der Verarbeitung vor Ort, der speziellen Verwendung im Bau, Lagerung, Transport etc. Auch die Qualifikation der Mitarbeitenden ist in den Blick zu nehmen. Das bedeutet: Das alte Handwerk ist mit dem Bedarf aus dem nachhaltigen Bauund Wirtschaft neu zu verweben; es bedarf verschiedenster Entwicklungsschritte, die gemeinsam mit Menschen vor Ort gemacht werden sollen. Ziel ist a) die Entwicklung von einem Modellprojekt zum Thema: Wie kann die Rohrweberei Pritzerbe mit ihrem traditionellen Wissen und der gewachsenen Arbeitskultur mit heutigen wirtschaftlichen Herausforderungen aus dem Bereich des nachhaltigen Baus verwoben werden?, sowie b) die Dokumentation des Wissens über Schilf als nachhaltigem Baustoff. Grundsätzlich zielt das Projekt auf die Entwicklung von Nutzungsoptionen für die vielen feuchten oder wieder zu vernässenden Gebiete um Brandenburg herum.

Unterlagen:

  1. Workshop 12.09.2025: Zusammenfassung
  2. Workshop 05.12.2025: Zusammenfassung

Das Projekt wird gefördert aus Mitteln der Europäischen Union und des Landes Brandenburg (ESF+ Programm „Soziale Innovationen 2023“).